Ein Jahr lang entwickelten Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Arche gGmbH Berner Straße Würzburg eine Doppel-CD mit Hörspielen in Einfacher Sprache – ein P-Seminar, das Teilhabe sichtbar und hörbar macht.

In einem echten Tonstudio zu sein – das war für alle Beteiligten das tollste Erlebnis, „was man nur aus dem Fernsehen oder vom Radio kennt“, erzählt Franz-Josef Pfister, einer der vier Projektpartner der Arche. Auch im Tonstudio ganz leise zu sein, sei eine echte Herausforderung gewesen. Für Maria Hofmann, die das Intro und das Inhaltsverzeichnis der Audio-CD einsprach, verlangte es Konzentration, immer auch verbunden mit der Sorge sich „zu versprechen“. Doch dann starteten die Schülerinnen und Schüler einfach eine neue Aufnahme. Der dritte Projektpartner, Otto Pietrus, übernahm die farbliche Gestaltung des CD-Covers und des Booklets – ein wichtiger Bestandteil jeder professionellen Audio-CD. Auch Johanna Demmer brachte sich mit ihren individuellen Möglichkeiten aktiv ein: Mithilfe eines sogenannten „Regenmachers“ erzeugte sie die passenden Regengeräusche für die Hörspiele. Beim langsamen Drehen des Instruments rieseln kleine Steinchen an zahlreichen Stäbchen im Inneren entlang und erzeugen so den Klang eines sanften Schauers oder eines kräftigen Regengusses.

Florian Nüßlein und Martina Stöcker, die das Projekt als Mitarbeiter der Arche begleitet haben, heben hervor, wie wichtig aktive Mitarbeit am Entstehungsprozess eines solchen Projekts sei. Für Menschen mit Komplexer Beeinträchtigung bedeute das gelebte Teilhabe: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, Herausforderungen aus eigener Kraft aktiv gestalten zu können, stärke die eigene Selbstwirksamkeit.

Ebenso nehmen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrkraft Kerstin Baumeister viele wertvolle Erfahrungen mit: Kian Kianian, Josephine Thiele, Lilien Deubel, Paula Scheuer, Magdalena Schoknecht, Emma Kias, Heidi Breunig, Maia Assmann, Janne Tomasek und Marija Bezrukova erlebten, wie bereichernd echte Zusammenarbeit sein kann, übernahmen Verantwortung und spürten, dass ihr Engagement etwas bewirkt. Die Aufgaben waren vielfältig: Es galt die Wunschthemen der Projektpartner,  Tiergeschichten und Krimigeschichten zum Mitraten, zunächst selbst zu verfassen oder in Einfache Sprache zu übersetzen und dann in Audiomanuskripte umzuwandeln. Dass das MGG über ein professionell ausgestattetes eigenes Tonstudio verfügt, war dabei ein echter Glücksfall. Mit viel Einsatz machten die Schülerinnen und Schüler dort die Geschichten lebendig, bauten die Beiträge der Projektpartner ein und hinterlegten die Ton, -Musik und Soundgeräusche an geeigneter Textstelle. In Zeiten von Streamingdiensten mag das Medium einer Audio-CD mit knapp 90 Minuten Spieldauer vielleicht aus der Zeit gefallen sein – aber sie bietet für die Projektpartner die beste Möglichkeit die Hörspiele unkompliziert, eigenständig und langfristig barrierefrei nutzen zu können.

Nach einem Jahr intensiver Zusammenarbeit halten nun alle Beteiligten das fertige Ergebnis in den Händen – und der Stolz darüber ist auf beiden Seiten spürbar. Entstanden ist weit mehr als eine Doppel-CD: Es ist ein Projekt, das Begegnung ermöglicht, Berührungsängste abbaut und zeigt, dass Inklusion dann besonders gelingt, wenn Menschen gemeinsam etwas schaffen. So bleiben am Ende nicht nur spannende Hörspiele, sondern vor allem die Erkenntnis, dass Teilhabe dort beginnt, wo Menschen einander zuhören.

Text:
Kerstin Baumeister, Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg und Florian Nüßlein, Arche gGmbh Würzburg

Foto: Kerstin Baumeister

Bildunterschrift:

Stolz auf das gemeinsame Projekt:  Erste Reihe v.l.n.r.: Johanna Demmer, Otto Pietrus, Maria Hofmann, Franz-Josef Pfister und Archemitarbeiter Florian Nüßlein.

Zweite Reihe: Kian Kianian, Martina Stöcker (Arche), Josephine Thiele, Lilien Deubel, Paula Scheuer, Magdalena Schoknecht, Emma Kias, Heidi Breunig, Maia Assmann, Janne Tomasek und Marija Bezrukova.