Fester Bestandteil der Schulausstattung und Blickfang für alle, die den ersten Stock des Haupttreppenhauses erreichen, auf dem
Weg zum Sekretariat, zum Klassentrakt oder in Richtung Lehrerzimmer, vertraut und doch für die allermeisten ein Kunstwerk, dessen Ursprung im Dunkeln liegt.
Das sollte sich bald ändern. Die ersten Nachforschungen begannen kurz vor Weihnachten, basierend auf meiner vagen Erinnerung, dass es sich um ein Projekt einer Klasse im Kunstunterricht bei Emilio, d.h. Dieter Schubert handeln müsse.
Befragt wurden Emilios Sohn Thomas Schubert, Abiturjahrgang 1986 sowie seine Schwester Judith; Alumni-Mitglieder, das frühere MGG-Lehrerkollegium sowie ehemalige Mitarbeiter des MGG-Personals.
Erstes Resultat: Thomas Schubert meldet im Januar 2026 per WhatsApp: Seine Schwester Judith und Michael Freund (Abiturjahrgang 1986) konnten das Original von Siegbert Hahn mit dem Titel „Der Herbstvogel“ aus dem Jahr 1970 identifizieren, nach dem das Klassenprojekt geschaffen wurde.
Erfolgreiche Rückmeldungen kamen wenig später von einzelnen Alumni-Mitgliedern und ehemaligen Mitschülerinnen, zuletzt mit den wertvollen Klassenlisten der ehemaligen 9a (Jahresbericht 1980/1981) und der 10a (Jahresbericht 1981/1982) dank Gabriele Ilius-Mauritz. Dann stand fest: Im Schuljahr 1981/1982 wurde das Projekt der Kl. 10a im Kunstunterricht bei Dieter Schubert nach einem Original von Siegbert Hahn (1970) verwirklicht. Mitautorinnen des 204 x 244 cm großen Werkes sind demnach alle Schülerinnen der Klasse 10a im Schuljahr 1981/82. Jede war für eine der 40 x 40 cm großen Holztafeln zuständig. Eine der zu lösenden Aufgaben bestand zunächst darin, aus der 100 x 140 cm großen Vorlage eine auf 200 x 240 cm vergrößerte Version herzustellen. Dann musste die farbliche Abstimmung gelingen, um ein stimmiges Gesamtwerk herzustellen, nach dem Motto „e pluribus unum“.
Dank zügig eingegangener Rückmeldungen konnten bereits einzelne Tafeln mit einiger Sicherheit identifiziert werden, u.a.:
– Auge (Gabriele Schwab, verh. Hornung)
– Platte rechts über dem Auge (Daniela Wolfert, verh. Groß)
– Platte rechts außen (Martina Heinz, verh. Theobald)
– Beine (Gabriele Otter, verh. Ilius-Mauritz)
– Platte rechts neben den Beinen mit dem kleinen Bäumchen (Kristina Ackermann)
– Platte unterste Reihe 2. v. rechts: linker Fuß (Monika Bihler)
– Platte letzte Spalte rechts, Mitte (Marion Debes, verh. Lohmann)
„Es sind 30 Platten. Wir waren in dem Schuljahr 29 Schülerinnen und ich meine Herr Schubert hat eine Platte selber gemalt.“ (Gabriele Ilius-Mauritz)
Zur damaligen Arbeitsweise weiß sie noch: „Wir haben jeder eine entsprechende Holztafel bekommen, die wir noch vorbehandeln mussten.
Soweit ich es in Erinnerung habe, mussten wir sie noch glattschleifen, grundieren, evtl. war noch eine Schicht dazwischen. Die letzte Schicht war auf alle Fälle weiße Farbe.
Dann wurde eine größere, farbige Kopie des Bildes in die entsprechenden Quadrate geschnitten. Jede Schülerin bekam also einen Schnipsel des Bildes. Dann wurde ein Raster auf den Schnipsel gezeichnet und ein entsprechendes vergrößertes Raster auf die Holzplatte. Nun wurde möglichst originalgetreu der Bildausschnitt übertragen. Dabei musste man sich mit den maximal vier „Nachbarplatten“ abstimmen, damit die Übergänge gepasst haben.“
Daniela Groß erinnert sich: „Wir haben damals unseren Namen und das Schuljahr auf die Rückseiten der Platten geschrieben.“
Es bleibt also abzuwarten, wann weitere Mitschülerinnen, vielleicht bei einem Klassentreffen in naher Zukunft, die von ihnen geschaffenen Holztafeln identifizieren können, und es bleibt die Hoffnung vieler, dass das ausgereifte Werk in irgendeiner Form erhalten bleiben kann.
Text und Foto: Herr Heiner Ratsch, Alumni Grünewald e.V.